Woche für Woche 2
Das kommentierte Absurdistan 2010
Von biF
34/10
Tagediebe: Straßendienste, die mit stundenlangem Gestank und Getöse Fahrbahnmarkierungen abschleifen, die sie wenige Monate zuvor erst aufbetoniert haben ...
33/10
Die Welt ist außerhalb der Irrenhäuser nicht minder drollig als drinnen. (Hermann Hesse)
32/10
Die Deutschen „verkumpeln“. Das belegen zwei nagelneue Bestseller, in denen gutsituierte Aussteiger auf Zeit sich den Kick eines „knallharten Alltags“ gönnen und beschreiben: Dieter Moors „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht“ und Gregor Webers „Kochen ist Krieg“. In diesen Büchern gibt es zwar auch die üblichen mehrseitigen Danksagungen, aber eigentlich sind sie völlig überflüssig, weil die Bücher selbst das Hohelied der Kumpanei in einem Maße singen, daß einem schlecht wird. Man merkt die Absicht – „Vitamin B“ – und ist verstimmt.
31/10
Zum „Ramelow Urteil“ vom 22. Juli 2010: Nicht nur die Linken gehören unter Beobachtung, sondern auch die Wähler des Vereins! Lang lebe die Stasi!
30/10
21. Juli: Zu meinem 58. wünsche ich allen meinen Verlegern ein langes, langes Leben, damit sie alle meine Bücher noch vollenden können!
29/10
„Fürstenblut für Bürger vergossen“: Im Museum der Stadt Frankfurt (Oder) hängen ein Porträt, ein Lebenslauf und drei Ölgemälde in Formaten zwischen A4 und Scheunentor für Leopold von Braunschweig, der während der Oderflut 1785 beim Versuch, Menschen zu retten, ertrank. – Ob die Menschen gerettet wurden, ist nicht überliefert.
28/10
Seit ein paar Tagen stellt eine junge Frau ihren Handwagen unter der großen Buche in unserem Garten ab. Mit ihm fährt sie in der Stadt umher und sammelt Altpapier; das Hartz IV reicht nicht, der Freund trinkt. Der Buchbinder am Ortseingang hebt ihr Zeitungen auf, das Reisebüro gibt ihr die schweren alten Kataloge, die bringen was, ein paar Leute sammeln für sie Papier, sie hat auch schon ein paar Stammkunden. Ihr Freund schlägt sie, sie sucht eine Wohnung, oder ein Zimmer, ob denn hier nicht noch was frei wäre, das Haus sieht doch so groß aus. Nein? Schade! Ihre Katze ist aber niedlich. Warum ist die denn so weiß? Sie haben ja sogar Gänseblümchen auf Ihrer Wiese! Die schneiden Sie nicht ab, oder? Das sieht so schön aus. In der Stadt sind gar keine mehr ...
27/10
Der Aberglaube ist vom Land in die Stadt gewandert ...
26/10
Schreiben ist der einzige Beruf, in dem man, ohne lächerlich zu wirken, kein Geld verdienen kann. (Jules Renard.)
25/10
Wenn ich dich, mein kleiner blühender Kaktus, einem Deutschen zeigen würde, würde er vielleicht erst einmal staunen, aber dann würde er von seinem letzten Urlaub erzählen; und daß er da auf einer Kaktusplantage war, auf der es Tausende Kakteen gab, eine seltener als die andere und daß die alle blühten, als so was hast du noch nicht gesehen! Tja, mein kleiner Kaktus, und deshalb erzählen wir lieber gar nichts erst, sondern blühen schön und freuen uns.
24/10
Wer eine Gedenktafel herstellen läßt, herstellt, anschrauben läßt oder anschraubt, auf der unter der Überschrift „Den Opfern zweier Diktaturen“ das Nazi-Reich und die DDR vereint sind, hat zumindest eine der beiden Diktaturen nicht erlebt, und er ist außerdem stumpfsinnig und/oder durch und durch böswillig!
23/10
Die Schuld der Welt und all’ ihr Unglück tragen
Die Starken, Unbarmherzigen und Blinden.
(Leopold Schefer, Laienbrevier, April XXII.)

22/10
Gott sei Dank! Endlich einmal eine richtig sympathische Person "für Deutschland":

21/10
Völlig unmöglich: Verleger, die halten, was sie versprechen; Autoren, die verdienen, was sie verdienen.
20/10
Die Deutschen brauchen keine Kultur, die Deutschen brauchen Krawall.
Die Deutschen brachen auch keine Geschichte, ihnen genügen Gerüchte.
19/10
Die Begriffe (II. Welt-) Krieg und Frieden sind bei den Deutschen derart miteinander verbunden, daß man allmählich das Gefühl bekommt, daß sie eigentlich Krieg meinen, wenn sie vom Frieden reden.
18/10
Wie man neuerdings hört, gibt es in der EU nur noch Großschuldner – wo sind eigentlich die dazu gehörigen Gläubiger?
17/10
Man will heute keine Bäume mehr, weil man zum Laubharken zu faul ist; weil man, wenn man nicht selbst kompostieren kann, für die Beseitigung des „Blätter-Mülls“ zahlen muß; und man braucht auch keine Bäume mehr, weil man im Auto ja eine Klimaanlage hat ...
16/10
Früher hat man bei Muskelkater einfach weiter gemacht; heute soll man sich erst einmal hinsetzen oder -legen und den Schmerz abwarten. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, daß die Alten so agil sind, während man die Jungen für körperliche Arbeit (oder die Bundeswehr) kaum noch gebrauchen kann?
15/10
Menschen wie Merkel, Westerwelle, Fischer oder Schröder müssen einer anderen Rasse angehören als ich; ich bin sicher, daß irgend etwas mit Haaren zum Vorschein käme, wenn man sie abpellen würde.
14/10
GMX.DE, nach Ostern: "Verletzte Soldaten sind stabil." - Na denn: Schluß mit den Gesunden!
13/10
GMX.DE, Ostern 2010: "Aprilscherz löst SEK-Einsatz aus. Betrunkene Jugendliche rufen die Polizei auf den Plan." WEB.DE: "Schwere Zwischenfälle bei Kundus: Deutsche Soldaten erschießen versehentlich mehrere afghanische Sicherheitskräfte."
12/10
Das ist das Schrecknis in der Welt, schlimmer als der Tod, daß die Canaille Herr ist und Herr bleibt. (Wilhelm Raabe.) – Am schlimmsten ist: daß es die Canaille überhaupt gibt.
11/10
„Leistung muß sich wieder lohnen“ – Witz komm raus: In einem Land, das vor allem Nichtskönner mit Fördermitteln hudelt, kommt man ja kaum dazu, etwas zu leisten!
10/10
Daß Superhirn Westerwelle Thomas Malthus’ Bevölkerungstheorie noch nicht in die Hartz-IV-Diskussion eingebracht hat, ist schon verwunderlich, aber wer sich mit Bisky-Bildern umgibt, kommt bestimmt auch noch darauf: Ein Mensch, sagte Malthus, der in einer schon okkupierten Welt geboren wird, wenn seine Familie nicht die Mittel hat, ihn zu ernähren oder wenn die Gesellschaft seine Arbeit nicht nötig hat, dieser Mensch hat nicht das mindeste Recht, irgend einen Teil von Nahrung zu verlangen, und er ist wirklich zu viel auf der Erde. Bei dem großen Gastmahle der Natur ist durchaus kein Gedecke für ihn gelegt. (Thomas Malthus 1798.) Anregungen für die Durchführungsbestimmungen könnte der große gelbe Reformator sich in dem Traktat holen: „Bescheidener Vorschlag, wie man verhüten kann, daß die Kinder armer Leute in Irland ihren Eltern oder dem Lande zur Last fallen, und wie sie der Allgemeinheit nutzbar gemacht werden können“. (Jonathan Swift 1729.)

09/10
Ossi-Karriere: Vom Proletarier zum Rotarier. (Protarier Jochen E. gewidmet.)
08/10
Bedarfsorientierte Marktwirtschaft: Weihnachtsmänner sind Anfang Dezember nicht mehr zu kriegen, dafür gibt es dann schon Osterhasen; Sommersachen muß man sich im Winter kaufen, Winterschuhe im Sommer (wie macht man das denn bei Kleinkindern?); anstelle von Rasierklingen muß man sich regelmäßig neue Rasierapparate kaufen, die Produktion und/ oder Lieferung von Teilen für Systemmöbel wird regelmäßig eingestellt, und Vogelfutter wird ab Februar, wenn der Winter am grimmigsten ist, nicht mehr geliefert. Und so weiter. - Um wessen Bedarf geht's denn hier eigentlich?
07/10
Wer es fertigbringt, so etwas wie „Religions-Philosophie“ zu studieren, der kommt auch mit Begriffen wie „Minus-Wachstum“ klar.
06/10
SUPERillu Nr.05 / 20.01.10: „Treue-Prämie für einstige Stasi-Leute?“ – Ganz einfach: Die selben Grundsätze wie bei den einstigen Nazis anwenden!
05/10
Deutschland einig Vaterland im Januar 2010: BILD hetzt gegen die Pensionäre (zu hohe Pensionen?), die SUPERillu gegen einstige Stasi-Leute (Treue-Prämien?) und alle finden wieder einmal, daß Arbeitslose eigentlich überhaupt kein Geld kriegen sollten. Dieter Bohlen und Dark Angel Bill (beide Millionäre) finden alle toll.
04/10
Einen Job abzulehnen, der weniger Geld als Hartz IV einbringt, zeugt nicht von Faulheit, sondern von Rechenkenntnissen und ökonomischer Vernunft.
03/10
Eine sagenhaft dämliche BILD fragt in der Schlagzeile vom 22. Januar 2010: „Macht Hartz IV faul?“ – Gegenfrage: Ist der Ackermann von seinen Millionen faul geworden?
02/10
Ich weiß gar nicht, warum die Leute dauernd streiken; die können doch mit dem Geld sowieso nichts Gescheites anfangen. Entweder fliegen sie zum Saufen nach Mallorca, oder sie kaufen sich Bücher von Sloterdijk.
01/10
Drei gute Gründe, eine Mandarine nicht zu mögen: Zu sauer, zu viele Kerne; pellt sich schlecht ...
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