Woche für Woche 1
Das kommentierte Absurdistan 2009
Von Bernd-Ingo Friedrich
01/09
Neujahr: Kein Lebewesen macht so viel Lärm und Dreck wie der Mensch.
02/09
Nicht schlecht, der neue RAF-Film, aber mit Brad Pitt und Nicole Kidman in den Hauptrollen wäre er noch viel schöner gewesen.
03/09
Spams: Ich möchte bloß mal wissen, warum so viele Amerikaner so scharf darauf sind, meinen Schwanz zu verlängern ...
04/09
Einst hat man das goldene Kalb angebetet,
heute huldigt man dem stinkenden Blech.
05/09
Wenn du ein Geheimnis sicher verwahren willst:
Schreib’s auf und schick 's an einen Verleger!
06/09
SOZIALismus oder KAPITALismus? Was für eine Frage!
SOZIALer KAPITALismus? Was für ein Unsinn!
07/09
Daß sie ja gar keinen Kapitalismus gewollt hätten, sondern einen „besseren Sozialismus“, hört man neuerdings öfter,
aber meistens von den Leuten, die für den schlechten Sozialismus mitverantwortlich waren.
08/09
Ich bekenne und bereue hiermit aufrichtig, in meinem früheren Leben ein DDR-Bürger gewesen zu sein und viel zu wenig unternommen zu haben, das barbarische Joch einer geregelten Tätigkeit abzuschütteln. Ich bekenne, als Bademeister dazu beigetragen zu haben, die Muskulatur unschuldiger Kinder zu deformieren, mit einer Trillerpfeife ihren Geist zu verwirren sowie ihnen das Schwimmen und anderes Falsche beigebracht zu haben. Ich gelobe feierlich und aufrichtig, im Wiederholungsfalle meine Klassenfreunde um angemessene Bewaffnung zu ersuchen und jeden Jungpionier niederzuschießen, der gestärkt, gebügelt, gescheitelten Haupthaars und/ oder milchtrinkend mit Transparenten herumläuft, auf denen „Frieden“, „Freundschaft“, „Völkerverständigung“ oder „Ich helfe Kranken und Alten“ steht. Ich verspreche hoch und heilig, künftig nur noch radieschenfarben, knallgrün, schwarz oder lila zu wählen, meiner Familienministerin mehr als bisher beim Kindermachen zu helfen, zu konsumieren, bis mir schlecht wird und überhaupt alles zu tun, damit Joschka Fischer, Atze Schröder und ihre sozialen Bundesgenossen guten Gewissens Millionen schaufeln, verschludern und verprassen können. Es lebe die deutsch-amerikanisch-irakisch-afghanische Freundschaft! Gegen die Fettleibigkeit und das Rauchen; für mehr Butter, Öl und Benzin, Automobile und -bahnen, Spielcasinos, Pornographie und Drogen! Sieg heil!
09/09
Am 22.02.09 bei Anne Will: Ein „Opelaner“ in der Krise; sein Opel ist Baujahr ’87 ...
10/09
Unpolitischer Gesang
Der Schneeglock lockt den Frühling an,
der Rehbock dockt ... tirallala.
Fidirallala, fidirallala,
fidirallalalala.

11/09
Im Märchen wird Stroh zu Gold gesponnen,
in Bad Muskau machen sie Gold zu Dreck.
12/09
Das Gesindel, das sich jetzt an Erwin Strittmatter vergreift, hat eine einzige Gehirnwindung, und das ist die für die Produktion von Fäkalien zuständige.
13/09
Eine naive Utopie ist allemal mehr wert als ein süffisanter Zynismus.
14/09
Man könnte viel von dem habgierigen Politiker-, Manager-, Geschäftsführer- und sonstigem Gesocks loswerden, wenn man zulassen würde, daß es sich gegenseitig mit Pistole, Dolch und Giften zu Leibe rückt wie in alten Zeiten.
15/09
Der Mensch weiß nicht, wie die Welt entstand, er weiß nicht, wie er selber wurde; er weiß weder, wie seine Verdauung, sein Gehirn noch seine Wirtschaft funktioniert; aber er manipuliert Gene, klont Schafe, vermehrt Geld und fliegt im All herum – der Mensch ist dumm und spielt Gott. Gefährlicher geht’s nicht.
16/09
Norovirus
Dinkelbrei/ Hirsebrei/ Reisbrei
Semmelbrei/ Haferbrei/ Maisbrei
Scheiß-Brei!
17/09
Kaiser Wilhelm hat die Deutschen eine Schweinebande genannt, der Größte Führer usw. hat kurz vor seinem Abgang gemeint, sie taugten nichts, und beide haben sie kräftig verheizt. Die neuen Machthaber sagen zwar nichts mehr, regieren aber genauso. Und mit dem Verheizen haben sie auch schon wieder angefangen ...
18/09
Bislang haben immer nur Asoziale regiert: Sklavenhalter, Feudalisten, Kapitalisten, Sozialdemokraten ...
19/09
Jeder einfache Kneiper beweist mit seiner Arbeit, daß man keinen Konzern bis hinunter zu den Antipoden braucht, am anständig leben und ordentliche Kinder großziehen zu können.
20/09
... nun auch noch Sarah Kuttner: „Eine Depression ist ein fucking Event.“ Wer – wie ich – dachte, mit der Roche wäre die literarische Talsohle erreicht, hat sich also geirrt. Offenbar ist sie das noch lange nicht und man darf gespannt sein, wie viele solcher Nachwuchs-Tröten uns die Medienidioten noch servieren werden.
21/09
Das Bild des Deutschen: Oliver Kahn mit aufgerissenem Maul, größer als seine Füße; der sozialdemokratische Ölmilliardär Gerhard Schröder de Cohiba mit dem Politikerdauergrinsen; die Mode-Ikone Angela Merkel mit Rokokodekoletté; die neu-burleske Stripperin Dita von Teese beim Eurovision Song Contest; röhrende Hirsche zu Christi Himmelfahrt und täglich eine Nackte auf der Titelseite der BILD.
22/09
Weil sich in den Rotary-Clubs Leute treffen, die davon überzeugt sind, daß Geld die Menschen besser macht, hilft man sich dort gegenseitig vor allem beim Geldmachen. (Schorsch Dabblju, der ehemalige Chefamerikaner, ist auch in einem dieser Vereine!)
23/09
Deutschlandfunk am 28.05.2009: Von drei Menschen, die in den „Entwicklungsländern“ hungern müssen, leben zwei auf dem Land ...
24/09
Die repräsentative Demokratie ist eine feine Sache - für die Repräsentanten!

25/09
Zahlen einer Woche:
Die Rüstungsexporte der Bundesrepublik Deutschland sind im vergangenen Jahr um 70 % gestiegen; damit ist Deutschland nach den USA und Rußland drittgrößter Waffenexporteur der Welt. In der Entwicklung, Produktion und dem Export von Landminen ist es führend.
Die Exporte allgemein sind gegenüber 2008 um 27 % eingebrochen.
Nach den USA, Großbritannien und China gibt Deutschland das meiste Geld für Rüstung aus.
Ein U-Boot vom Typ 212A kostet 460 Mio. Euro - das entspricht den Jahresgehältern von 10.000 Altenpflegerinnen.
Ein Eurofighter kostet 108 Mio. Euro - das sind 2.300 Jahresgehälter für Erzieherinnen.
Der Hartz-IV-Regelsatz von derzeit ca. 350 Euro monatlich soll nach den Wahlen wieder gekürzt werden. (Noch Buschfunk.)
Würde man allein die 700 Milliarden Dollar, die man den amerikanischen Banken bisher nachgeworfen hat, zu gleichen Teilen auf alle Bewohner der Erde verteilen, könnte jeder rund 100 Dollar erhalten - die würden in vielen Ländern der Erde schon für eine Existenzgründung reichen ...
26/09
Käse in Scheiben ist ja schon ganz hübsch, aber eigentlich könnten die „Nettos“ dann auch gleich noch Butter und eine Stulle drunter tun, Häppchen schneiden und eine Thermoskanne mit Tee daneben stellen – um Gottes Willen: Hoffentlich liest das hier kein Marketingstratege!
27/09
Die Suche nach dem Sinn des Lebens wird ersetzt werden durch die Frage nach dem Sinn des Überlebens.
28/09
Michael Jackson wird ohne Gehirn beerdigt, aber im goldenen Sarg: Ein schönes Zeitzeichen!
29/09
Die Politlumpen geben das Bombodrom auf, das heißt: Jetzt müßte eigentlich irgend wer heilig gesprochen werden.
30/09
Zu den merkwürdigsten Erscheinungen der Gegenwart gehört, daß ein junger Mensch sich berechtigt fühlt, einem alten Menschen, der ihm die Summe seiner wohldurchdachten Lebenswahrnehmung und -erfahrung darlegt, im Handumdrehen zu widersprechen.
31/09
Der Staat sollte vorzüglich nur für die Armen sorgen, die Reichen sorgen leider nur zu sehr für sich selbst. (Gottfried Seume)
32/09
Einer, der nur „Bio“ kauft, kündigte mir seine Freundschaft auf, weil ich ihm meine seltenen Erstausgaben nicht leihen mochte. Ich hätte sie ihm ja gegeben – wenn er mich dafür auf seine Kurztrips nach Marokko, Thailand oder Ceylon mitgenommen hätte.
33/09
Vetrauen ist gut, blindes Vertrauen ist dumm.
34/09
Lieber rede ich mit Niemandem mehr oder nur noch ab und zu mit den Kellerschweinen, als mit Leuten, die sich den neoliberalen Sozialfaschismus zu eigen gemacht haben!

35/09
Wenn man sich einmal gründlich Gedanken darüber gemacht hat, wie man auf anständige Weise Geld verdienen könnte, wundert man sich gar nicht mehr, daß es so viele Kriminelle gibt.
36/09
Er hatte sich im mediterranen Laissez-faire gut erholt, so daß er nun mit frischen Kräften wieder daran gehen konnte, den deutschen Verkäuferinnen Luft zu machen, wenn sie bei seinem Erscheinen nicht in Sekundenschnelle bei der Hand waren.
37/09
Man kann die Probleme der Welt nicht in Deutschland lösen
(indem man endlos Flüchtlinge aufnimmt),
man kann die Probleme Deutschlands nicht in der Welt lösen
(indem man endlos Soldaten umherschickt).
38/09
Es ist wohl bloß eine Frage der Zeit, bis die Durchsagen in den Bahnhöfen und Flughäfen Deutschlands ausschließlich in Englisch erschallen werden.
39/09
Die Wahlkampfspots der Parteien sind derart peinlich, daß sich die Rundfunk- und Fernsehsender davon distanzieren, kaum, daß sie sie gesendet haben.
40/09
Merke: Ein flash-mob ist eine "Blitz-Zusammenrottung von Gewerkschaftern" - sozusagen - und laut Medienberichten seit September 2009 nicht mehr strafbar; ein flash-mops ist ein besonders schneller Mops.
41/09
800.000 Euro jährlich für einen Soldaten in Afghanistan,
eine Million für die Erdbebenopfer von Sumatra. (01.10.09.)
42/09
Das Dumme an der „DDR-Aufarbeitung“ ist, daß nur „Betroffene“ (der „Diktatur“) und Wessis zu Wort kommen, und für die gibt es leider nur Diktatoren, Opportunisten, Hörige und Dumme. (Beim Hören der Sendung „Die Kultur des kalten Krieges“, Deutschlandfunk 11.10.09.)
43/09
Es stimmt, daß von Nation zu Nation manch deutliche Auffassungsunterschiede dessen bestehen, was zu gewähren und was vorzuenthalten ist. Doch diese Abweichungen von einer goldenen Mitte haben nur mit den entsprechenden Kapricen menschlichen Urteilsvermögens zu tun und schmälern die Gültigkeit des Prinzips in keiner Weise. (James Fenimore Cooper.)
44/09
Es sind die Reichen, die verantwortlich sind für die skandalöse „Verwertung“ der Nerze und das Keulen der Robbenbabys – denn sie tragen die Pelze; verantwortlich für das Aussterben der Störe – sie zahlen Tausende Dollar für eine Schachtel Kaviar; sie verursachen die Qualen der Gänse, die für eine verfettete Leber „genudelt“ werden – weil sie auch dafür zahlen; sie schaden dem Klima als extensive Nutzer von Privatjets und Airlines; sie beuten hemmungslos die Erde aus und zetteln immer wieder Kriege an, um noch mehr und noch größere Klunker zu bunkern und Geld zusammen zu kratzen, das weder sie noch ihre Erben jemals ausgeben können und so weiter; - warum belästigt man eigentlich die Normalbürger mit den Auswüchsen ihrer Habgier, anstatt die Bilder gequälter Kreaturen im Wall Street Journal zu veröffentlichen? - Weil das Journal einem Reichen gehört.
45/09
Die Unmöglichkeit, den Sommerzeit-Winterzeit-Unfug rückgängig zu machen, zeigt am besten, wie wenig der moderne Mensch noch Herr seiner selbst ist.
46/09
Anstatt den Duden ständig zu überarbeiten, könnte man ihm doch einfach ein Englischwörterbuch anhängen ...
47/09
Wären die Urmenschen von Anfang an so exzessiv nach der Versuch-und-Irrtum-Methode vorgegangen wie gegenwärtig, so wären sie gar nicht erst bis in die heutige Zeit gekommen.
48/09
Das Experiment Planwirtschaft hat zumindest eins gezeigt: Was man sich leisten kann, wenn man weder auf Pump noch auf Kosten anderer lebt.
49/09
Daß eine bankrotte Kleinstadt von Vattenfall, einem der größten Umweltvernichter der Welt, sogenannte „Ausgleichszahlungen“ in zweistelliger Millionenhöhe für ihre abgebaggerten Wälder fordert, damit sie sich weiterhin das Eishockeyspielen, den teuersten und ökologisch verheerendsten Sport der Welt, leisten kann – das hat was!

50/09
Die deutsche Politik beweist es momentan einmal wieder: Zum Machtausüben braucht man vor allem eins – einen miesen Charakter.
51/09
Michelangelo studierte Moose und Flechten an Mauern und zog Nutzen daraus, Sloterdijk studiert Bücher und denkt sich überhaupt nichts dabei.
52/09
In der DDR holte man sich subventionierte Blaubeeren aus dem Laden und verkaufte sie in den Sammelstellen für den höheren Aufkaufpreis; heute verkauft man den Solarstrom aus der eigenen Anlage und bezieht billigeren Strom vom Energieversorger.
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