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Fürst-Pückler- und Park-Geschichten

sowie anderes Allotria

Von biF


Geschäftsidee für Bad Muskau: Erotische Fürst-Pückler-Slips in den Farben Pücklerbraun, Pücklerrosa und Pücklergelb: Vorn das Pücklerwappen, hinten links Fürst Pückler, hinten rechts die Fürstin Pückler und im Schritt das Pücklereis-Rezept.
Geschäftsidee für Branitz: Von ökologisch sonnengereiften Teenagern geknüpfte Gebetsteppiche mit Kompaß und Richtungsangabe, die man zur blauen Stunde gen Branitz richten kann, wo im begrünten Tumulus der angebetete fürstliche Glibber ruht.


Verdammte Pücklerei

23. Dezember. Ich öffne den Briefkasten und ein Paket Werbung fällt mir in den Arm. Alle haben vor den Feiertagen schnell noch einmal zugeschlagen. Aber es sind auch etliche Briefe und Karten dabei. Mein Antiquar wünscht sich, daß ich immer schön gesund und neugierig bleibe, eine Freundin auch; die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloß Branitz (die heißen wirklich so!) schickt eine wunderschöne Klappkarte mit der neu gestalteten Callenberg-Pückler-Bibliothek und wünscht mir auch ein Jahr lang alles Gute. Das postalische Highlight kommt aus dem BuchVerlag für die Frau (schreibt sich wirklich so): Mein Pücklerkochbuch wird gedruckt! „Der Titel wird vorbehaltlich – et cetera p.p. – im Jahr 2009 erscheinen.“ Heureka! Endlich! Der Stadtverein Weißwasser schickt den Veranstaltungskalender für das kommende Jahr; – wieder allerhand los in der Gegend. Kein Geld, die Ossis, aber jede Woche drei Feuerwerke abbrennen. Ab Seite vier wird auch hier feste gepücklert: Pückler-Kirchhoff mit großer Annonce, Fürst-Pückler-Pokallauf im Fürst Pückler Park Bad Muskau; „Kromlau bewegt sich“ – Fürst-Pückler-Pokallauf in Kromlau; dann bewegt sich Weißwasser, dann lacht noch einmal Pückler-Kirchhoff aus dem Heft. Ich blättere zurück, und da lese ich: „Auch Sie brauchen einen starken Pückler. Universum Sportclub Gablenz.“ Wie bitte? Ach so: „... einen starken Rücken“! Man wird ja schon ganz Pücklerei von der vielen besoffen!

(23.12.2008 abends.)


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Das Wundertier

Im Märchen wird Stroh zu Gold gesponnen,
in Bad Muskau machen sie Gold zu Dreck.

Ja, so wie der Pückler sollte man leben: Man wird wohlgeboren und liegt kaum in der Wiege, da stehen an ihrem Kopfende schon die drei Nornen mit Reichtum, Geist und Schönheit. Geist allein ist zwar eher schädlich als nützlich, und auch Schönheit ist nicht unbedingt ein Garant für den Erfolg – man denke nur an die wunderschönen Mädchen auf der Reeperbahn – aber Reichtum! Reichtum allein würde schon genügen; zusammen mit Geist und gutem Aussehen – was soll da noch schiefgehen. Am Erfolg eines solcherart begünstigten Sprößlings kann selbst die miserabelste Erziehung nichts ändern; nicht einmal Pubertät und Pickel können einem schaden: Man wird unweigerlich zu einem respektablen Mann. Und weil man für alles Unangenehme seine Leute und alle Tage und Nächte freie Zeit in Hülle und Fülle hat und Langeweile hätte, wenn man gar nichts täte, legt man sich einen kleinen Garten an; das heißt: Man läßt legen: Weite Wiesen mit aparten Baumgrüppchen, die mit Sichtachsen von ein paar Hundert Metern Länge das Gefühl grenzenloser Freiheit imaginieren; kilometerlange verschlungene Pfade zum Reiten und Kutschieren, die irgendwohin oder nirgendwohin, nämlich auch zurück, führen können, subtil verborgen wie im richtigen Leben; Himmel blau und Schäfchenwolken; ein Schloß mit hunderttausend Büchern, lauter Kanapees und ebenso vielen hübschen, verführerisch ver- oder entkleideten Teenagern; eine Schlemmerküche mit einem Viel-Sterne-Koch und einem Konditor ... Angenehm tagträumend durchwandere ich das Gärtchen des vor langer Zeit wohlverstorbenen Lieblings der Götter, beiläufig eine vergnügliche Reportage ersinnend, so wie auch er es gelegentlich tat. Doch was ist das da?! Ein Kranich? – Nein. Dafür ist das Ding zu dünn. Ein Storch kann es auch nicht sein, denn dafür ist es zu grau. Für beide ist es viel zu lang, außerdem hat es einen Schnurrbart: Ach, sieh an, es ist ein Pückler. Vielmehr: Es ist die Karikatur eines Pücklers. Kerschow heißt das mit seiner furchterregenden, halbmeterhohen „Angströhre“ nur scheinbar und von Ferne so überaus lange Wundertier, das am hellichten Tag auf grüner Wiese Frack trägt und sogar kleine Broschürchen emittiert, seit es sich in einen Pückler verwandelt hat. Sie taugen bloß nichts, die Broschürchen. Es ist nicht einfach, ein Pückler zu sein, wenn einen die Nornen ganz und gar vergessen haben.

(01.05.2009.)


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Nobless oplüsch oder: Wie in alten Zeiten *
Arbeitslose sponsern Fürst Pückler

Unter der Schlagzeile „Fürst Pückler hätte es genossen“ berichtete die Lausitzer Rundschau für Weißwasser und Niesky am 27. Oktober 2009 von einer „Fürstlichen Kaffeetafel“: „Die fürstliche Kaffeetafel sei ein Projekt, das über die Arge der Bundesagentur für Arbeit und des Landkreises Görlitz gefördert wird ...“ – Also, das hat was: Der Fürst von Pückler-Muskau, ausgehalten von jenen, die seinerzeit im Armenhaus oder Ausgedinge ihren Lebensabend verdämmert hätten!
„Außerdem sorgten vier Bedienstete für Kaffee, Kuchen, Häppchen und ein Gläschen Wein“ – wie niedlich: Häppchen! Und Gläschen! Und vier Bedienstete auf einen Streich! So wird der Traum eines jeden Deutschen auch fürs arme Schwein wahr.
„Als Kerzenständer dienten halbierte Kartoffeln, die von drei silbernen Gabeln gehalten wurden“ – Kartoffel-Odeur zu Kaffee und Kuchen! Wahnsinn! „Auf die Idee war der künstlerische Projektleiter Frank Kirchhoff gekommen ...“ – „‚Solch eine Veranstaltung hätte auch Pückler sehr gut gefunden und genossen’, so Besucher Ingo Batow.“ Das walte Hugo! Schon seiner einnehmend cleveren Wahlverwandten wegen!
Am 3. September 1817 schrieb der Fürst Pückler seiner Braut: „Die Teemaschine zur Änderung mitzunehmen, hast Du vergessen, wie ich in Muskau mit einigem Mißvergnügen bemerkt habe. Ich hätte gern die drei Froschkeulen, auf denen sie steht, gegen etwas Anderes vertauscht gesehen.“ Er wußte, daß der Teufel im Detail steckt und daß ein einziger Pinselstrich ein ganzes Gemälde, ein Teelöffel Salz die ganze Speise verderben kann.
Hätte der Fürst Pückler Frank Kirchhoff gekannt, wäre ihm zumindest diese Sorge erspart geblieben: Er hätte die albernen Froschbeine abgebrochen und seiner Teemaschine kurzerhand halbierte Kartoffeln untergelegt. Fürstlicher geht’s nicht.
Frank Kirchhoff ist aber auch der Pückler, der an jedem Ort und zu jeder Tageszeit Frack trägt und damit eine zweite fabelhafte Erfindung gemacht hat, die dem richtigen Fürsten, der sich in England beispielsweise viermal täglich umziehen mußte, um up to date zu sein, viel richtigen Kummer, nämlich Schulden erspart hätte.
Obwohl – „Allzuviel ist ungesund“, weiß der Volksmund. Von daher hätte man dem Fürsten abraten müssen, seinen volkstümlichen Plagiator seinerseits zu plagiieren, denn dann – man weiß ja nicht, wie Pückler-Kirchhoffs Stammbaum aussieht – hätte er vielleicht sommers von Sonnenauf- bis Untergang die herrschaftlichen Wiesen selber beharken müssen. - Schon gut, vor allem für uns Heutigen, daß die beiden sich nicht begegnet sind ...
* Noblesse oblige (franz.): Adel verpflichtet.
   Noblesse oplüsch (dt.): Couplet von Otto Reutter.

(30.10.2009. Zu „Pückler hätte es genossen“, LR v. 27.10.09.)


Hu, hu, wer schaut da ...

Die Menschen würden nicht lange in Gemeinschaft leben, wenn nicht einer vom andern betrogen würde.
(La Rochefoucauld.)

Hu, hu wer schaut da – es sind zwei hübsche kleine blonde Hexen, die in einem altertümlich-buckligen Hexenhäuschen geschäftig vor sich hin geheimnissen und ab und zu hinaus ins Parkesgrün lugen, ob denn nicht bald wer käme und Neues in die Wirtschaft brächte. Das Häuschen könnte einmal Leopold Schefers Großmutter gehört haben, oder jemand noch Berühmterem – ach, wenn es doch wahr sein könnte, am besten einem Aus- oder Engländer, denn die ziehen bei den Deutschen – damals wie heute – am meisten. Aber das Häuschen ist leider nicht von jemand Berühmtem, nicht mal von den Schefers. Aber es könnte. Immerhin hat man darin ja das Bildnis einer gutaussehenden jungen Dame aus uralter Zeit gefunden, und die könnte die Pückler Agnes sein, die Geliebte von dem Leopold; die beiden Kleckse im Hintergrund sehen nämlich haargenau wie Flügel aus. Die alte Muhme hat’s gesagt. Wie hat der Leopold doch gleich den Buckel seiner Freundin so rührend bedichtet?
      „Sie ist zu schön, und soll ein Engel werden,
      Und heimlich keimen ihr die goldenen Schwingen.“
Ja, das ist schön! Freilich – ein bißchen Phantasie braucht man schon, um die Flügelchen als solche zu erkennen. Auch kam die Geschichte mit den Flügeln erst 1884 heraus, da war die Agnes schon ein halbes Jahrhundert lang tot, aber wer weiß das denn? Und außerdem: Die beiden Hexlein sind ja auch nicht echt. Es sind zwei hübsche kleine blonde Schwärmerinnen, die aus einem altertümlich-buckligen Häuschen lugen ...

(01.05.2009.)


Der Gottesacker

Genau so stellt man sich einen Gottesacker vor: Von Efeu umranktes Mauerwerk; uralt-geheimnisvolle Epitaphien an den Wänden der Gottesvilla; malerisch eingesunkene Grüfte, notdürftig gedeckelt von brüchigen Steinquadern, durch deren Spalten sich die Gespenster der honorigen Übeltäter des Nachts bequem ins Freie winden können, um im Mondlicht mit den Fledermäusen zu tanzen und späte Kurgäste ein wenig zu erfreuen (denn fürchten tut sich vor ihnen ja keiner mehr); gestürzte Stelen Unbekannter, Vergessener (aber echtes Biedermeier) mit längst verwitterten Inschriften, den Eulen zum Sitz und den Mäusen zum Unterschlupf; der monströse Schlußstein für einen mausetoten, weil ungelesen-ungespielt-unbequemen Dichterkomponisten (doch man hat immerhin einen), und in einer stillen Ecke weit hinten ein einziger blumengeschmückter, dem (oder der) einen einzigen Gerechten zu Ehren errichteter Grabhügel, auch er etwas verwahrlost, in falsch verstandener Symbolik dekoriert mit einer einfachen Schlange (der Inkarnation des Bösen, der Hinterlist, der Versuchung und der Sünde). Sehr sinnig! Man denkt an Kleopatra, bis man entdeckt, daß damit die Machbuba beschwert ist, jene halbwüchsige orientalische Sklavin, die noch vor der Blüte ihrer Jahre so ganz und gar unheroisch aufgezehrt wurde von der Tuberkulose, einem für ihren morbiden Körper tödlichen Klima und der Sehnsucht nach ihrem egoistischen Besitzer. Und dann entdeckt man: Der Hügel – man glaubt es kaum – ist aus Beton. Zubetoniert wie die Reste der Muskauer Heide haben sie die Ärmste! Aber man sagt, das soll die Lebenden vor ihrem schlechten Einfluß schützen. Das Hausmittel scheint zu wirken, denn seit dem Tod der Machbuba hat man hier von Ehebruch nie wieder etwas gehört ...

(01.05.2009.)


Schluß mit Lustig!

Die Realsatire ist mittlerweile nicht mehr zu toppen! - Immer mit „Fürst-“: Pückler-Theater, Pückler-Bühnenshow, Pückler-Musical, Pückler-Konzert, Pückler-Vortrag, Pückler-Wanderung, Pückler-Diner (recte Pückler-Table d’hôt), Pückler-Kaffeetafel (recte Armenspeisung), Pücklertagesablauf, Pückler-Kirchhoff, Pückler-Kochbuch, Pückler-Roman, Pückler-Wein (rot und weiß), Pückler-Sekt, Pückler-Cocktail, Pückler-Bier, Pückler-Kekse, Pückler-Créme (!), Pückler Cafe (!), Pückler-Schnitte, Pückler-Rolle, Pückler-Brot und -Semmel, Pückler-Souffle (!), Pückler-Kalender, Pückler-Schule, Pückler-Park, Pückler-Picknick, Pückler-Torte, Pückler-Kuchen, ohne „Fürst-“: Pückler Webdesign & Cinema, Pückler-Eis und -Bombe, Pückler-Eisbecher, Pückler-Diätbecher, Pückler-Kindergarten, Pückler-Baumschule, Pückler-Radweg, Pückler-Region, Pückler-Land, Pückler-Symposium, Pückler-Parkführer, Pückler-Stiftung, Pückler-Verein, Pückler-Gesellschaft, Pückler-Hotel(s), Pückler-Jubiläum, Pückler-Festakt, Pückler-Bar und -Kneipe, Pückler-Eck, Pückler Thermen und Gesundheitszentren, Pückler-Getränkestützpunkt, Pückler-Stein, Pückler-Apotheke, Pückler-Passage, Pückler-Stube, Pückler-Parfait, Pückler-Joghurt, Pückler-Restaurant, Pückler-Pension, Pückler-Reisebüro, Pückler-Reise, Pückler-Weg, Pückler-Tour, Pückler-Museum, Pückler-Heim, Pückler-Gymnasium, Pückler-Geburtstag, Pückler-Hochzeitstag, Pückler-Darsteller, Pückler-Forscher, Pückler-Exegese, Pückler-Pokal, Pückler-Preis; Pückler-Wahnsinn (PSE).

(30.10.2010, Pücklers 225. Geburtstag.)


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P.S. in Progress

  1. Pückler-Fachtagung, Pückler-Forschung
  2. Pückler-Kapitalbrief
  3. Pückler-Kochstudio, Pückler-Pädagogium
  4. Pückler-Sahnelikör
  5. Pückler-Wortmarke, Pückler-Sole, Pückler-Schogetten, Pückler-Spreewaldkorn
  6. Pückler-Stadt Bad Muskau (siehe oben: LR v. 28.1.2011)
  7. die tiefrote Dahlie „Fürst Pückler“
  8. Branitz auf der Überholschleimspur: die rosa Dahlie „Gräfin Pückler“
  9. Pückler-Seife, Pückler-Salat
10. Branitz punktet weiter: „Das Bier einer großen Liebe“:


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Wie die Bad Muskauer Bürger einen der ihren ehren, zeigt eine Webseite auf www.kulturpixel.de ...

(31.05.2011)

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