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Die 4. Kiepe aus dem Klappcomputer

Hobelspäne 301 bis 400

Von Bernd-Ingo Friedrich



***


buch einband palimpsest alte musik

Ein altes Lied, ein schönes Lied,
oh Freunde, laßt uns singen.

301
Mit Büchern verdient man kein Geld. Aber einer, der nicht singen kann und obendrein Kübelbock heißt, wird im Handumdrehen Millionär.
302
Die Bibliotheken werden voller, die Vernunft nimmt ab.
303
Geschändete Bibliotheken: Sagan, Branitz
Gemeuchelte Bibliotheken: Gaußig, Neuhardenberg
304
Als die Väter ihre Söhne mit verwirrenden Kombinationen aus den Vornamen Joseph, Johann, Jakob, Gottlieb, Gottlob, Christlob, Christlieb und Fürchtegott ausstatteten, nannten die Literaten sich Voß. Ein Jahrhundert später hießen sie alle Müller. Und wieder ein Jahrhundert später hießen sie Mann.
305
Im menschlichen Kopf steckt viel Schrott. Der große Bastler hat ganz offenbar vergessen, die Synapsen ordentlich zu verdrahten, und jetzt schlackern sie umher und erzeugen die seltsamsten Verbindungen, von denen die, die die Träume ergeben (Klasse-Kombination), vielleicht noch die sinnvollsten sind.
306
Mittler zwischen Hirn und Händen muß das Herz sein (Schlußbild aus „Metropolis“, Stummfilm, D/ 1926). Gegenwärtig fungiert das Portemonnaie als Mittler.
307
Der Goethe hat aber auch einen Mist geschrieben: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut - Amboß oder Hammer sein. Ja, was denn nun!?
308
Mit Hammer und Amboß verhält es sich wie mit den zwei Seiten einer Medaille: Auf beide kommt es überhaupt nicht an, sondern auf das, was dazwischen ist.
309
Irgendwann geht man nur noch zum Stones-Konzert, um dabei gewesen zu sein, als Keith Richards abklappte.
310
Ich will nicht bestreiten, daß Beuys viel für die Postmoderne getan hat (weil inzwischen viele Leute davon leben), aber ebenso viel hat er für Heerscharen von Scharlatanen getan.
311
Warum Intellektuelle Schwarz tragen: Das optische Nichts verrät keine Gesinnung, signalisiert Offenheit für neue Inhalte und ist deshalb das ideale Mäntelchen für jede Windrichtung.
312
Germanisten, Anglisten, Franzisken u.a. gehen unter dem Deckmantel der Profession ihrem Hobby nach.
313
Der Mensch ist nicht dumm, weil er muß, sondern weil er will.
314
Ehe die Kunst sich selbständig gemacht hat in der Weise, wie wir es heute kennen, entsprach sie eher dem, was wir heute Kunsthandwerk nennen. So gesehen ist die Glasmacherkunst, wie andere Handwerkskünste, zu Unrecht in eine, aus der Kunstwarte gesehen, niedere Kategorie geraten.
315
Moderne Kunst macht böse.
316
Wenn es für den Kapitalismus keine Alternative gibt, dann gibt es auch keine für den kapitalistischen Kunstbetrieb. Diskussionen über Kunst erübrigen sich, weil der manipulierte Geldwert eines Kunstwerks dessen Akzeptanz bestimmt, und der einzig wahre Kunstkenner ist der Geldsack. (Der teure Edelkitsch der Päpste, Augusts des Starken ...)
317
Denkt man nach, weil man untüchtig ist, oder wird man untüchtig vom Nachdenken?
318
Ein amtliches Schreiben, auf dem Postweg verschollen– wenn Tucholsky das noch erlebt hätte!
319
Praktizierende Kulturnationen: Italien, Frankreich
Bekennende Kulturnationen: Deutschland, Rußland
320
Harry Potters Erfolg gründet sich auf das immerwährende Bedürfnis des Menschen, sich die rauhe Fassade des Lebens mit bunten Plakaten voll zu kleistern. Daß dieses Bedürfnis an Intensität nicht verloren hat, verglichen mit den Zeiten, als die Volksmärchen entstanden, läßt für unsere Zeit nicht eben schmeichelhafte Schlüsse zu.
321
Sublimierung. Der Künstler hat ein Problem, das Problem ist die Erklärung dafür, daß der Künstler säuft; viele ziehen die Bequemlichkeit und den schönen Schein vom Künstler vor und begnügen sich mit dem Saufen, dann wird das Saufen zum Problem usw.
322
Jemand, der schreibt, ist dazu imstande, weil er es geschafft hat, ein gewisses Maß Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Das Schreiben wiederum schafft weitere Klarheit, das Schreiben wird allmählich zur Lust. Dann kommt der Punkt, an dem die Sache kippt. Die gleichwertigen Partner für den Gedankenaustausch werden in der unmittelbaren Umgebung immer weniger, schließlich gibt es keine mehr, das Schreiben wird zur Last und schließlich schreibt man aus Frust mit der Hoffnung auf gleich Gesinnte irgendwo da draußen.
323
Hierarchie ▲ Demokratie ▬ Kunst perdu
324
Hitliste der unbeliebtesten Weihnachtsgeschenke; bei den Männern auf Platz 3: Bücher. (RTL II, 12.12.2003).
325
Vom Kommunisten zum Herrenmenschen a la Nietzsche braucht es nur wenig Gehirnakrobatik ...
326
... und so ist Nietzsche zum Lieblingsphilosophen der höheren Angestellten geworden.
327
Museen sind die Nekropolen der Kunst: die Ausstellungsräume sind die Mausoleen und die Depots die Massengräber.
328
Wer bei Troste ist
und den Harry Potter liest
der liest nachher
nichts mehr – von Rohling.
329
Mein Buchbinder macht mit 3 ½ Fingern Sachen, die andere mit 20 nicht hinkriegen würden.
330
Der Kunstsammler Flick ist nicht problematischer als beispielsweise die „Kunstsammler“ von Waldburg-Zeil, deren Ahnen das Fundament für ihren Reichtum im 16. Jahrhundert mit dem Abschlachten der aufständischen süddeutschen Bauern gelegt haben. Deren Massenmord war bloß nicht so spektakulär, ist nicht so gut dokumentiert bzw. fein verschwiegen und liegt vor allem länger zurück. Ein Massenmord ist nicht schlimmer als der andere, nur weil er in einer anderen Zeit mit anderen Mitteln begangen wurde und die Opferzahlen divergieren (relativ haben die Waldburger mehr Menschen auf dem Gewissen als die Flicks; und der 30jährige Krieg, zum Beispiel, war für Deutschland schlimmer als der zweite Weltkrieg). Wollte man alle Kunst aus den Museen nehmen, an denen Blut klebt, könnten alle Obdachlosen dieser Welt eine voll klimatisierte Bleibe bekommen, denn die Museen wären ohne eine Ausnahme ratzekahl - allen voran der Vatikan.
331
Jürgen Kuczynski war belesen, phantasievoll, souverän und zuletzt auch alt genug, um sich gesellschaftliche Utopien auch praktikabel vorstellen zu können.
332
Ich schreibe, wie ich schreibe, immer mit dem Hintergedanken, daß es im kalten Schatten der Großen Millionen Menschen gab und gibt, die permanent das gleiche Schicksal erleiden mußten und müssen wie Seume, Moritz, Tamm oder Bräker und noch weit ärmere, und ich schreibe mit Sympathie für diejenigen, die bezahlen mußten und müssen mit dem Falschgeld der Herrschaften, und die für die Herrschaften zahlen mußten und müssen mit ihrem Leben, mit ihrer Gesundheit und mit der Verkrüppelung ihrer physischen, geistigen und seelischen Anlagen über Generationen hinweg.
333
Was sich im Menschenhirn problemlos miteinander verdrahten läßt: Ausstellungseröffnung unter dem Motto „Die Weisheit der Natur“ in Tokyo - und dazu musizieren und tanzen Roboter.
334
Mein Großvater, geschult in der Not, wollte ums Verrecken nichts wegwerfen und pflegte zu sagen „Das heben wir auf, das frißt kein Brot“. So hilft Armut, Kultur zu bewahren. Die Verschleuderung kulturhistorisch wertvoller Adelsibliotheken steht für das Gegenteil.
335
Menschliches Tun und Fehler gehören zusammen wie Baum und Blätter.
336
Schreiben ist die einzige Möglichkeit, seine Gedanken zusammenhängend zu äußern.
337
Bei den intelligentesten Menschen findet man die krassesten Widersprüche zwischen Wort und Tat.
338
Rund 2000 Jahre hat es gedauert, bis der Mensch mit Gott fertig war, den Glauben an die Vernunft hat er schon nach 200 Jahren aufgegeben.
339
Ein Bildwerk ist ein Kunstwerk, wenn es es im Denken etwas bewegt.
340
Je kranker die Gesellschaft desto zahlreicher die Ärzte.


brody pfoerten bruehl sandstein skulptur

Die Deutschen schmeißen Stück für Stück ihre Vergangenheit weg.
Nach wie vor werden historische Gebäude abgerissen,
in Läden und Lokalen gibt es kaum noch historische Interieurs,
Museen werden geschlossen und Bibliotheken geplündert.


341
Anstelle von Kunst kaufen die Neureichen heute die Putzlappen der Kennedys.
342
Man versteht die Deutschen besser, wenn man sich ihre Andachts-, Kommunion- und Gesangbücher ansieht.
343
Schopenhauer wollte mit Hilfe des Tischrückens seine Philosophie von der Welt als Wille und Vorstellung beweisen ...
344
Unsere Vorfahren haben das Gehirn ihrer Feinde verspeist, weil sie hofften, dadurch klüger zu werden. Es war das falsche Mittel, aber sie haben es immerhin versucht. Heute meinen die meisten, genug gebildet zu sein, wenn sie eine Zeit lang recht und schlecht die Schule besuchen, und manche sind stolz darauf, in ihrem ganzen Leben noch kein einziges Buch gelesen zu haben!
345
Philosophie als Vergewaltigung des freien Denkens: Das Gehirn in ein System gepfercht.
346
Der moderne Künstler, erfolgreich, mit Beziehungen zur Politik: Atelier so groß wie 24 Fußballfelder, vollgestopft mit essentiellen Antiquitäten, die ein Labyrinth bilden, in dessen Zentrum der Künstler mit einer degenerierten Katze ein schwindsüchtig-insulares Dasein zwischen übervollen Aschenbechern, Essensresten und scheunentorgroßen Leinwänden führt, die er mit Hilfe einer Straßenkehrmaschine und einer Dampfwalze in metaphysischen Müll verwandelt, der nach Fertigstellung von speziellen Logistik-Unternehmen abtransportiert, aufgestellt und mit einem Staatsakt geheiligt wird; den man aber genauso gut nach einjähriger Fahrt aus jedem Überseedampfer schneiden und gleich wieder wegwerfen könnte.
347
Der Menschheit wird man Kultur erst zugestehen können, wenn sie die Cheopspyramiden als das verrotten läßt, was sie sind: Ausgeburten eines paranoiden Größenwahns.
348
Jemand, der schriftstellert, muß sich für Leute, die sich allein langweilen und nicht lesen wollen, nicht verantwortlich fühlen. Er macht einigen hundert bis tausend Leuten ein Kommunikationsangebot, das sich auf tausend bis hunderttausend erhöht, wenn seine Arbeiten in öffentliche Bibliotheken gelangen.
349
Die Kunst ist eine Möglichkeit, seine eigene Deformierung durch die reale Welt zu begreifen und über die eigene Form einen Gegenentwurf zu schaffen, eine innere Harmonie wiederherzustellen.
350
Wer unabhängig denken will, muß auch Dinge denken, die unangenehm sind, und Dinge tun, die ihm schaden.
351
... ich glaub', mich beißt ein Schmetterling. (Nach Arno Holz)
352
Aphorismen sind Sprüche, die keinem wehtun. Deshalb sind sie so beliebt.
353
Bei Musik heult man vor Freude, bei Büchern aus Verzweiflung.
354
Früh um sechs ist die Welt hier noch in Ordnung: die Vögel pfeifen sich eins weg, die Katze hört zu und träumt von ihren Keulen.
355
Der „Hobby-Historiker“ befindet sich in der Lage des Bettlers auf den Kirchenstufen: häßlich aussehen und penetrant sein – seine einzige Chance.
356
Wenn du wissen willst, ob sich jemand zum Freund eignet, leihe ihm ein Buch, von dem du annehmen kannst, daß er es ungern liest und versichere ihm, es bedeute dir viel. Wenn er dein Freund sein will, wird er es lesen.
357
Man sollte das Wort „Broschüre“ gelegentlich zum Unwort erklären und das Ding selbst zum Unding.
358
In den exakten Wissenschaften fängt jede Umwälzung mit der einfachen Frage an: Was wäre, wenn (sich nun die Erde um die Sonne drehte usw.); in den Gesellschaftswissenschaften wird diese Frage gar nicht mehr gestellt.
359
Wer 20 Jahre nach ihrem Erscheinen die Schefer-Bibliographie zitiert und trotzdem von 18 Auflagen des Laienbreviers im Jahre 1893 schreibt, präsentiert nicht bloß einen antiquierten Wissensstand, sondern demonstriert damit, daß er dumm ist oder faul oder beides.
360
Ich bin ein Dilettant, der sich redlich müht; die meisten etablierten Profis sind studierte Ganoven, die ihr Material knechten, um es gut verkaufen zu können.


hartz IV strafvollzug fis interforum

Die Wirtschaft könnte prosperieren: Ohne Politiker, Rechtsanwälte und Steuerberater.
Die Gesellschaft könnte funktionieren: Ohne gemeinnützige Vereine und Sozialarbeiter.
(Erweiterbar.)

361
Verpflegungssatz Hartz IV: 4,13 Euro; im Nürnberger Strafvollzug: 5,50 Euro. (MDR Kultur 16.8.07)
362
Die Geschichte ist der Steinbruch, aus dem sich jeder holt, was in sein Gedankengebäude paßt.
363
Das Lebenswerk eines Forschers/ Schriftstellers/ Künstlers ist wie der Cocon einer Seidenraupe, die sich immerzu durch dieselben langweiligen Maulbeerblätter gefressen hat. Wenn er fertig ist, kommen die Nutznießer, versuchen die Fäden wieder abzuspulen und machen irgend welches buntes Zeug daraus.
364
Mein Buchbinder pfeift beim Bücherbinden,
weil ihn das Binden der Bücher erfreut.
365
Ich will schreiben und nicht Geld für Bücher auf- und dann auch noch die Bücher vertreiben.
366
Die Leute werden wahrhaftig immer blöder. Ich schicke einem ein Buch und wundere mich, daß er sich gar nicht dafür bedankt. Bei einer zufälligen Begegnung nach über einem halben Jahr erklärt er mir, daß er das nicht konnte, weil er an meine neue Telefonnummer nicht herangekommen ist – hat aber meine Adresse!
367
Egal, wie viele Pinsel man hat – „richtig“ malt immer nur einer.
368
Daß man Schefer’s Laienbrevier heute belächelt, hat nichts mit dessen Qualität zu tun; vielmehr lässt es markante Schlüsse auf die Beschaffenheit des heutigen Menschen zu.
369
Die DDR war voller Spinner; von den unzähligen Künstler-Hähnchen, die damals herumkrähten, sind nicht mehr viele übrig. Der Rest tut heute, was er schon damals hätte tun sollen: Stütze beziehen oder bei der Bahn arbeiten. Na gut: das mit der Bahn geht heute in der Größenordnung nicht mehr, und das mit der Stütze wäre damals nicht gegangen. So ist das mit Deutschland - überall Murks.
370
Ab einer bestimmten Qualität schreibt man nur noch für die Nachwelt oder gar nicht mehr.
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Teamwork fängt für manche mit der Pflege, für die meisten aber erst mit der Ernte des Lorbeers an.
372
Die Fortschritte der modernen Medizin, insbesondere der Chirurgie, sind beeindruckend; die Fortschritte der gefolterten Patienten in ihrer Leidensfähigkeit ebenso.
373
Die Tatsache, daß man im Alter kaum noch neue Freunde findet, scheint für manche schon genug Sicherheit zu bieten, mit den alten umzugehen wie mit alten Latschen.
374
Es gibt Menschen, für die auch ein 3-Stunden-Tag noch zu lang wäre.
375
Die heutigen Soziologen haben offenbar Schwierigkeiten, die ihnen zugängliche, zugemutete oder aufgezwungene Fülle an Informationen sinnvoll zu ordnen. In der „Kulturzeit“ vom bietet ein Soziologe die 200 Jahre alten Einschätzungen der amerikanischen Verhältnisse von Alexis de Tocqueville als Vorbilder für das Zukunftsmodell einer „Ungleichheitsgesellschaft“ an. (3sat, 28.9.2004)
376
Die heutigen Schamanen, Seher, Hexen und Co. sind nichts als schräge Vögel, die von der Zivilisation schon viel zu viel Ballast mitbekommen haben, um sich noch in die Ursprünge zurückversetzen zu können – als Urmensch muß man geboren werden.
377
Die Menschen, die nicht dumm, faul und/ oder feige sind, sind es nur aus Egoismus nicht.
378
In Ämtern meint man zunächst immer, man hätte mit Idioten zu tun, bis man merkt, daß irgendwo hinter all dem Unsinn ganz ordinäre, hinterhältige Lumpen stecken.
379
Die "Klugkeit" und die Hinterlist sind enge Verwandte.


johannes lang hohlwelt theorie

Es ist einfacher zu glauben, als zu wissen.
Aber: Was weiß man denn eigentlich genau?!


380
Mit Hilfe der Technik die Probleme bewältigen, die die Technik hervorgebracht hat – na ja ...
381
VanVaan Herren-Socken baseline Angora, limitierte Auflage, für 3,99 Euro - da müsste man sich doch glatt ein Loch ins Oberleder schneiden! Als Passepartout!
382
Meine frisch entnazifizierte Mutter 1947 in einer Bewerbung um Übernahme in den sächsischen Schuldienst: „Sollte jedoch eine Parteizugehörigkeit erwünscht sein, dann würde ich nach erfolgter Übernahme der SED beitreten.“
383
Richtige Feinschmecker sind nur unter den Köchen zu finden.
384
Wer wissen will, ob er echte Freunde hat, versuche, sich von ihnen Geld zu borgen.
Wer seine Freunde, sie seien echt oder schlecht, behalten will, der lasse es lieber.
385
Wo der größte Wunsch des Menschen nur noch ein Arbeitsplatz ist,
hat die menschliche Kultur den Gipfel der Jämmerlichkeit erreicht.
386
Fidel Castro beweist der Welt die Überflüssigkeit von Führern (im System).
Fidel Castro beweist der Welt die Notwendigkeit von Führern (als Person).
387
Der moderne Mensch, der sich angewöhnt hat, für alles zu bezahlen, hat das Gefühl für selbstverständliches Geben und Nehmen verloren.
388
Im Kopf entsteht mehr Neuronensalat als der Körper vertragen kann.
389
Der Krug geht so lange zu Boden, bis er bricht.
Der Krug geht so lange zum Munde, bis man bricht. (Mein Buchbinder.)
390
Daß Politiker und Manager so viel verdienen, liegt daran, daß sie sich ihre Gehälter selber zumessen, wobei sie ihre eigene Arbeit für Gold nehmen und die aller anderen als Dreck.
391
Die „Großen“, sagt man, zahlten für Macht und Reichtum mit ihrer Einsamkeit.
Ich kann mir nichts Einsameres vorstellen, als einen Penner in seinem Schlafsack.
392
Der große Gautama wird wohl auch so ein pubertierendes, verwöhntes und verzogenes Bürschchen gewesen sein, das sich eines Tages gesagt hat: Der Alte kann mich mal!
393
Wenn Sammeln etwas Krankhaftes hat – wie krank war dann wohl August der Starke?
394
Es gibt genügend Leute mit dem Bewegungsdrang eines Goldhamsters, die gern die Arbeit für zwei tun würden, nur um mit sich allein nicht wahnsinnig zu werden; warum also läßt man die Arbeitslosen mit ihren bescheidenen staatlichen Almosen nicht einfach in Ruhe?
395
Der Erfolg hat viele Väter, sagte man früher, inzwischen hat er auch viele Mütter.
396
„Geiz ist geil“. – Früher gehörte er zu den sieben Todsünden.
397
Um Weihnachten in Berlin die Linden zu belichtern, wird das Lausitzer Land zerbaggert.
398
Die Haltbarkeit einer Aussage erweist sich im Extrem. Vor Bildern aus dem Tagebau: „Du mußt nicht die Umweltzerstörung sehen, sondern das Ganze mehr so künstlerisch, als Formen, Farbe, Licht und Schatten ...“ - Spätestens bei Bildern aus einem KZ funktioniert das nicht mehr.
399
Backobst nennen sie bei Netto jetzt „soft-fruits“.
400
Die Menschen werden frei geboren:
Frei von Geld, frei von Gütern und frei von Verstand.
Die meisten bleiben es.

leopold schefer reise tagebuch rom

Trokkenes Brot ist Brot der Feigheit!
Leopold Schefer, Römisches Tagebuch No. 9


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