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Aus Büchern, Briefen und Gesprächen

Hobelspäne von Kollegen

Gesammelt von Bernd-Ingo Friedrich




1
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. (Matthäus 7,16)
&
Einer muß aufhören zu rächen, Einer muß die alten Gewebe vom Webstuhl der Zeit schneiden, wenn Raum für neue werden soll. (Schefer)
&
Irrthümer sind die Laster des Verstandes. (Schefer)
&
Die Klugen haben am meisten zu lernen; die Dummen brauchen nichts zu wissen. (Schefer)
&
Es ist besser, wenig, aber dieses Wenige gründlich zu wissen, als viel und obenhin, denn endlich wird man doch das Seichte in diesem Fall gewahr. (Kant)
&
Wenig von allem. Da man nicht umfassend sein und nicht alles von allem wissen kann, muß man von allem etwas wissen. Denn es ist viel schöner von allem etwas zu wissen, als alles von einem zu wissen. (Pascal)


poesie 1 album mutter

&
Es sind in der Welt viele Mittel ehrlich zu leben: und wenn keines mehr ist, finden sich doch einige, nicht mehr zu leben. Wer nach reiner Ueberzeugung seine Pflicht gethan hat, darf sich am Ende, wenn ihn die Kräfte verlassen, nicht schämen abzutreten. (Seume)
&
Man kann seinen Nektar auch aus kleinen Blüten saugen. (Schefer)
&
Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht. (Gemeinplatz)
&
Ich bin ein rechtes Rabenaas,
Ein wahrer Sündenkrüppel,
Der seine Sünden in sich fraß,
Als wie der Russ' die Zwippel.
Herr Jesu, nimm mich Hund beim Ohr,
Wirf mir den Gnadenknochen vor,
und schmeiß mich Sündenlümmel
In deinen Gnadenhimmel.
(Altes Kirchenlied)
&
Es zahlt sich teuer zur Macht zu kommen, die Macht verdummt. (Nietzsche)
&
Der Mensch arbeitet gewöhnlich nie für das Allgemeinwohl. (Smith)
&
Der Kuchen der Großen ist groß und ihr Messer lang. (Schefer)
&
„ ... wenn einmal, irgendeinen edelen, idealen Zweck beabsichtigend, Menschen besserer Art zu einem Verein zusammentreten, alsdann der Ausgang fast immer dieser ist, daß aus jenem Plebs der Menschheit, welcher, in zahlloser Menge, wie Ungeziefer, überall alles erfüllt und bedeckt, und stets bereit ist, jedes, ohne Unterschied, zu ergreifen, um damit seiner Langenweile, wie unter anderen Umständen seinem Mangel, zu Hülfe zu kommen, - auch dort einige sich einschleichen, oder sich eindrängen und dann bald entweder die ganze Sache zerstören, oder sie so verändern, daß sie ziemlich das Gegenteil der ersten Absicht wird." (Schopenhauer)
&
Würde des Menschen.
Nichts mehr davon. Ich bitt' euch!
Zu essen gebt ihm, zu wohnen;
habt ihr die Blöße bedeckt,
gibt sich die Würde von selbst.
(Schiller)
&
„Großer Gott", ächzte die Eiche, „kannst du nicht endlich mal dein Gekreisch abstellen?" „Wenn's dir nicht paßt", sagte der Häher, „dann steh doch hier nicht so blöde herum." (Schnurre)
&
Zwei Doktoren sind ein halber Tod. (Schefer)
&
Wer nur ein besseres Spinnrad erfunden hat, will alle Spinner bekehren, und heißt sie Narren mit ihrem alten Spinnrade. (Schefer)
&
Im Jahre 1812 wurde der später als Dichter und Komponist berühmt gewordene Leopold Schefer zum Generalbevollmächtigten des Fürsten Pückler ernannt. Er übernahm das Burglehn, eine Stadt mit 3000 Einwohnern, 45 Dörfer und 55.000 ha Land mit Erzgruben, einem Alaunwerk, einer Glashütte, einer Mühle, Eisenhämmern, Wäldern, und 20 Pachthöfen, verfügte über die Polizei, entschied in Gerichtssachen und beaufsichtigte ein Konsistorium. Das geschah auf seinen Wunsch hin, denn er wollte sich nicht binden lassen, ohne einen förmlichen Vertrag, ohne Gehaltsvereinbarung und ohne durch Handschlag besiegelt zu werden. Heute braucht man schon für einen simplen Mietvertrag ein daumendickes, bis zur Unverständlichkeit verklausuliertes Formular und ist auch damit noch nicht sicher. (Friedrich)


poesie 2 suetterlin base

&
Astrologie, die – Die Kunst, Trottel Sterne sehen zu lassen. Manche widmen der A. tiefe Verehrung als einer Vorläuferin der Astronomie. In gleicher Weise hat der nächtens jaulende Kater gerechten Anspruch auf ehrende Achtung als Vorläufer des fliegenden Stiefelknechts. (Bierce)
&
Optimismus, der – Doktrin oder Glaube, alles sei schön, einschließlich des Häßlichen; alles gut, vor allem das Schlechte, und alles richtig, wie das Falsche. Am zähesten von jenen verteidigt, die am meisten Erfahrungen mit dem Mißgeschick widriger Umstände sammeln mußten, und am eindringlichsten dargelegt mit jenem Grinsen, das ein Lächeln nachäfft. Als blinder Glaube ist der O. unzugänglich für das Licht der Widerlegung – eine intellektuelle Störung, die nur durch den Tod heilbar ist. Erblich, aber zum Glück nicht ansteckend. (Bierce)
&
Pessimismus, der – Philosophie; dem Denkenden aufgezwungen durch die entmutigende Übermacht des Optimisten mit seiner gräßlichen Hoffnung und seinem abstoßenden Grinsen. (Bierce)
&
Politik, die – Vom verkommensten Teil unserer kriminellen Schichten bevorzugter Lebensunterhalt. – Interessenkonflikt, maskiert als Prinzipienstreit. Die Leitung öffentlicher Angelegenheiten zum persönlichen Vorteil. (Bierce)
&
Verantwortung, die – Ausgesetzt einem Verlust von Vorteilen, Profit, oder Lust sowie der Gefahr einer Strafe. (Bierce)
&
Zufriedenheit, die – Lethargischer Zustand; ähnlich der Narkose. Schützt wirksam vor geistiger und körperlicher Überanstrengung. (Bierce)
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Die Wohlfühl- und Kuschelpädagogik der heutigen Spaßgesellschaft hat – wie die heute vorwiegende Wohlfühlideologie – in der Kirche die Folge einer verkürzten, verqueren Wahrnehmung von Wirklichkeit. Man will nur die Vorderseiten sehen, aber nicht die häßliche Rückseite. (Weskott)
&
Zweckoptimismus führt zwangsläufig zur Verblödung. (Friedrich)
&
Für das Breittratschen von Betriebsinterna, genannt „Vorträgehalten", lassen sich zahlen: Gorbatschow 50.000, Schmidt 45.000, Weizsäcker 27.000, Genscher 25.000, Biedenkopf, Späth, Waigel, Blüm, Lafontaine 15.000, Westerwelle (noch im Amt) 11.500, Fischer (1998, noch im Amt) 20.000 €; Schröter 75.000 $ plus Reisespesen 1. Klasse für 2 Personen. (Welt am Sonntag online)
&
Unternehmen, deren Existenz lediglich davon anhängt, ihren Beschäftigten weniger als einen zum Leben ausreichenden Lohn zu zahlen, sollten in diesem Land kein Recht mehr haben, weiter ihre Geschäfte zu betreiben. (Roosevelt).
&
Empörung entsteht aus der Wahrnehmung von Ungerechtigkeit und gehört somit zu den emotionalen Fundamenten der Moral. (de Waal)
&
...ein alter Mann, dem der Kopf durch die Haare wächst (Schefer)
&
Ein Volk ohne Unruhen ist wie ein Meer ohne Wind. (Schefer)
&
Juden und Christen und Mohammedaner sind nur drei Sprosse aus Einem uralten Olivenstamme, und gehen nur vereint zugrunde. (Schefer)
&
Eine Rose und ein Bienenstock erklären sich selbst am besten. (Schefer)
&
Alles steckt an; man wird blind unter Blinden, und taub unter Tauben. (Schefer)
&
Wer auswandert aus der Heimath, der bringt sich schlimmer als um das Leben! (Schefer)
&
Auch das Rechte kann dem Menschen ein Unrechtes werden. (Schefer)
&
Die Frau ist des Mannes Glas, durch welches er die Welt betrachtet. (Schefer)
&
Nichts wahrhaft Gutes ist neu, nichts wirklich Neues wäre gut. (Schefer)
&
Ehrfurcht sparet nicht nach Prügeln. (Meine Katze)
&
Haben ist gut, Arbeiten ist besser, und Geben das Beste. (Schefer)


poesie 3 album blatt

&
Gott ist nicht da, wo ihr am Sonntag betet;
Gott ist in dem, was ihr mit Füßen tretet.
(Dreyer)
&
Von einem Bösen ist nicht gut lernen. (Schefer)
&
Der Esel im Pallaste, der Lachs im Punsche befänden sich beide schlecht. (Schefer)
&
Die schönsten Blumen riechen nicht, die schönsten Vögel singen abscheulich. (Schefer)
&
Jeder soll die Seinigen doch nur so gut und höflich wie Fremde behandeln. (Schefer).
&
Wer sich mit anderen verbündet
auf Erden niemals Ruhe findet
(Scheerbart)
&
Die Verwirrung zeigt aller Dinge Ende an, vom Thurm zu Babel bis zur Schlacht von Belle alliance. (Schefer)
&
Nur ein Haus, worin Eine einzige Familie wohnt, ist ein wahres menschliches Haus. (Schefer)
&
Die Luftschlösser des Gelehrten:
Den Entwurf zu einem Buche machen,
das neues enthält,
(- mit Schnelligkeit mit Feuer mit Ungestüm! -)
und zugleich glauben, man werde den Entwurf ausführen –
ist innige Herzenslust, und viel mehr als Vergnügen,
So hab ich ihrer nicht wenige heut entworfen –
Und morgen die Hoffnung aufgegeben, sie zu schreiben:
Vergessen sind sie!
Doch bin ich darum weniger glücklich bei den Entwürfen gewesen?
(Klopstock)
&
Das deutsche Volk ist eine Schweinebande. (Wilhelm II.)


poesie 4 album direktor

&
Das wenige W i s s e n, oder die Wissenschaft, die Jeder bedarf, beschafft er sich leicht, wenn er sie braucht. W i s s e n macht auch nicht ein Haar klüger, noch brauchbar überhaupt. Aber es gibt ein Etwas, einen Geist, der weise macht, der die Erde uns kennen lehrt, und vor Allem die Menschen und unser eigenes Herz. (Schefer)
&
Diese Zeitung (BILD) ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun. (Goldt)
&
Das Sein verstimmt das Bewußtsein (Grafitti, Berlin).
&
Ich hatte nie ein festes Einkommen, nie einen bestimmten Beruf, sondern nur vorübergehende Tätigkeiten, bei denen nicht viel herauskam, und doch habe ich eine ganze Reihe von Jahren "existiert", vielleicht sogar besser und angenehmer als manche andere mitsamt ihrem Beruf .... (Franziska zu Reventlow)
&
Was jedermann zu gefallen sucht, gefällt keinem und erntet Verachtung. (Fredro)
&
Der Aphorismus steht unter den Gesetzen der Schwarzweißtechnik. Wer das verkennt, darf den Schreiber für farbenblind halten. (Adler)
&
Die einfache Wahrheit klar und rein vorgetragen, auf ihren richtigsten Ausdruck gebracht und Tausenden von Zuhörern erfolgreich mitgeteilt zu haben ist ein größeres Verdienst, als durch Geschwätz und Paradoxien Aufsehen zu erregen. (Varnhagen von Ense)
&
Viele Menschen benutzen das Geld, das sie nicht haben, für den Einkauf von Dingen, die sie nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen. (Slezak)
&
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. (Gandhi)
&
Selbst wenn das letzte Steuerschlupfloch gestopft ist, werden wir noch einen Baum fällen. (Klei)
&
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.
(Richard Kerschenhofer 2008.
Zur angeblichen Autorschaft von Kurt Tucholsky
siehe www.tucholsky-gesellschaft.de.)
&
Alle Menschen sind Lügner, nur mehr oder weniger entwickelte. (Immermann)
&
Der Einflußreiche steht auf dem Stöpsel. (Andreas Hegewald)
&
Die Menschen würden nicht lange in Gemeinschaft leben, wenn nicht einer vom andern betrogen würde. (La Rochefoucauld)
&
Ob heute Nacht dein Feind stirbt oder du,
in beiden Fällen, Bruder, hast du Ruh.
(Peter Hacks)
&
So unausbleiblich wie die Katze spinnt, wenn man sie streichelt, malt süße Wonne sich auf das Gesicht des Menschen, den man lobt. (Schopenhauer.)
&
Unter Dankbarkeit versteht man gemeinhin die Bereitwilligkeit, lebenslänglich Salbe aufzuschmieren, weil man einmal Läuse gehabt hat. (Karl Krauss)
&
Der Stoff, den der Musiker gestaltet, ist der Ton, der Maler spricht in Farben. Darum maßt sich kein ehrenwerter Laie, der nur in Worten spricht, über Musik und Malerei an. Der Schriftsteller gestaltet ein Material, das jedem zugänglich ist: das Wort. Darum maßt sich jeder Leser ein Urteil über die Wortkunst an. Die Analphabeten des Tons und der Farbe sind bescheiden. Aber Leute, die lesen können, gelten nicht als Analphabeten. (Karl Krauss)




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